"Berührungen" Nr. 105

Ps 130,1-8:
„Ein Lied des Aufstiegs.
Aus der Tiefe habe ich zu dir gerufen, o HERR.
Herr, höre meine Stimme!
Mögen deine Ohren aufmerksam sein auf die Stimme meines Flehens!
Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst, wer kann bestehen?
Aber bei dir ist Vergebung, dass man dich fürchte.
Ich harre des HERRN, meine Seele harrt, und auf sein Wort hoffe ich.
Meine Seele harrt des Herrn, mehr als die, die auf den Morgen warten -
ja, mehr als die, die auf den Morgen warten.
O Israel, hoffe auf den HERRN! Denn bei dem HERRN ist Gnade, und viel Erlösung ist bei ihm.
Und er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden.“

Ps 131,1-3:
„Ein Lied des Aufstiegs. Von David.
Herr, mein Herz ist nicht hoffärtig, und meine Augen sind nicht stolz.
Auch gehe ich nicht mit Dingen um, die mir zu groß und zu wunderbar sind.
Nein! Ich habe meine Seele beruhigt und gestillt. Wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter, wie ein entwöhntes Kind ist meine Seele in mir.
O Israel, hoffe auf den Herrn von nun an bis in Ewigkeit!“

Nachdem wir mit der Gerechtigkeit unseres Erlösers bekleidet worden sind, verlieren wir leicht das Gefühl für das Wunder und die Ehrfurcht vor seiner erstaunlichen Gnade und beginnen, sie als unser eigenes Werk zu betrachten. Durch diese Verhärtung des Herzens verlieren wir das Gefühl dafür, dass wir den Herrn für seine tägliche Gnade brauchen und von ihm abhängig sind. Wir beginnen, andere mit einem Bewusstsein eigener moralischer Überlegenheit zu betrachten.

Die Psalmen 130-131 beschreiben eine Reise in die entgegengesetzte Richtung. Was mit der Wahrnehmung der eigenen Bedürftigkeit beginnt, gipfelt in der erwachten Hoffnung des Pilgers auf die Gnade Gottes für die ganze Schar der Pilger, von der er nur einer ist.

Während der Pilger zum Zugang des Hauses des Herrn hinaufsteigt, 

ergreift sein Herz eine Wahrnehmung seiner eigenen Bedürftigkeit (V1).
Er fleht den Herrn an, sein Schreien zu hören (V2).
Sein Herz schmilzt in Buße (V3).
Er erinnert sich an das Zeugnis Gottes: „es gibt Vergebung bei Dir!" (V4).
Hoffnung durchflutet seine Seele (V4-5, s. Mt 9,2).
Eine große Überzeugung steht in seinem Herzen auf: „Bei dem Herrn gibt es Barmherzigkeit! Bei ihm gibt es Erlösung in Fülle! (V7).
Er erlebt eine tiefe Gewissheit, die seine Seele beruhigt: „Er wird Israel von all seinen Missetaten erlösen" (V8).
Großer Friede und Ruhe überfluten sein Herz: „Ich habe meine Seele beruhigt und zur Ruhe gebracht, wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter; wie ein entwöhntes Kind ist meine Seele in mir" (Ps 131,2).

Diejenigen, die sich umwenden um hinzuschauen, werden sehen! Die sich demütigen, werden finden. Die finden, werden sicherlich das, was sie in Gott gefunden haben, an andere weitergeben.

Sei gesegnet in Yeschua,

Ofer


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